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Offener Brief der Schüler/innen des ASG Dillingen

today8. Januar 2021 4542 14 3

Hintergrund
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Am kommenden Montag sollen im Saarland die Abschlussklassen der Gymnasien und Gemeinschaftsschulen wieder zurück in den Präsenzunterricht, wir wir bereits berichteten.
Auch vom Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverband gab es viel Kritik an der Entscheidung der Landesregierung.

Nun haben auch die Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Dillingen einen offenen Brief an die saarländische Bildungsministerin Streichert-Clivot geschrieben. Den Brief könnt ihr hier nachlesen:

Sehr geehrte Frau Streichert-Clivot,
wir, die Schüler*innen der Klassenstufe 12 des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Dillingen, schreiben Ihnen diesen offenen Brief, um unserer Besorgnis bezüglich unserer
Gesundheit und besonders der unserer Mitmenschen Ausdruck zu verleihen. Am Donnerstag, dem 07. Januar, erlagen im Saarland 16 Menschen den Auswirkungen einer Erkrankung an COVID-19. Der Inzidenzwert lag an diesem Tag im ganzen Saarland bei 141,1, im Landkreis Saarlouis bei 187,8, was der höchste im gesamten Saarland ist. Das Infektionsgeschehen ist also äußerst dramatisch, die Kapazitäten in den Krankenhäusern gelangen an ihre Grenzen. Aus diesem Grund werden im Saarland, wie im gesamten Rest von Deutschland, beispiellos harte Maßnahmen ergriffen, um den verheerenden Verlauf der Pandemie abzuschwächen. Vor diesem Hintergrund ist es uns nicht verständlich, dass wir, den erheblichen Risiken zum Trotz, ab nächsterWoche wieder zum Präsenzunterricht verpflichtet werden. Zunächst einmal ist die Gefahr einer Infektion mit SARS-CoV-2 im Moment so hoch
wie noch nie und folglich ist es auch so wichtig wie noch nie, keine stark risikobehafteten Entscheidungen zu treffen. Für jüngere Menschen besteht zwar ein geringeres
Risiko eines schweren Verlaufs, allerdings gibt es trotzdem Schüler*innen, die in einem Haushalt mit zur Risikogruppe gehörenden Personen leben, für die eine Infektion
unter Umständen lebensbedrohlich sein kann. Ferner gibt es auch einige Lehrer*innen, die wegen ihres Alters oder aufgrund von Vorerkrankungen selbst zur Risikogruppe
gehören. Dass laut geltendem Musterhygieneplan keine Abstände in den Klassenräumen gewährleistet werden müssen, halten wir vor diesem Hintergrund für absolut unverantwortlich. Die Gefahr, sich im ÖPNV auf dem Schulweg zu infizieren, ist an dieser Stelle ebenfalls nicht zu vernachlässigen.
Abgesehen von dem derzeit hohen Infektionsrisiko für die Schüler*innen sind wir der Meinung, dass in Präsenzform die entsprechende Unterrichtsqualität nicht gewährleistet wird. Durch das regelmäßige Lüften bei winterlichen Temperaturen und die ständige Maskenpflicht sinken Konzentration und Lernfähigkeit im Vergleich zum Lernen von zu Hause. Kommt es dazu, dass Schüler*innen unter Quarantäne stehen, ist das besonders für die Abschlussklassen fatal. In 2 Wochen Quarantäne kann man bis zu sechs Arbeiten verpassen, für die später keine Zeit mehr besteht. Außerdem ist verpasster Stoff im Falle einer Erkrankung im Hinblick auf das Abitur äußerst kritisch. Dämmen wir jetzt durch adäquate Regelungen das Infektionsgeschehen ein, ist vielleicht auch das Abitur selbst mit geringerem Risiko für alle Beteiligten durchführbar. Wir fordern den gesamten Unterricht weiter online durchzuführen! Die Online-SchuleSaar hat sich in den letzten Wochen als wirksames Medium bewährt. Alle Beteiligten sind an die Arbeit mit der Lernplattform gewöhnt, was einen hochwertigen und regulären Unterricht ermöglicht. Für Schüler*innen, denen das Arbeiten und die Abivorbereitung zu Hause, z.B. durch eine schwierige familiäre oder häusliche Situation erschwert ist, sollten Schulen Räume und Geräte zur Verfügung stellen, sodass sie in der Schule am Online-Unterricht teilnehmen können.
Für Arbeiten hingegen sind wir bereit, das notwendige Risiko einzugehen, sofern diese in großen Räumen mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern und unter Beachtung
der bisher geltenden Hygieneregeln stattfinden. Trotzdem sollte die Möglichkeit in  Erwägung gezogen werden, Arbeiten in Grundkursen wegfallen zu lassen oder sie z.B.
durch benotete Abgaben zu ersetzen. Werden Sie Ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und den Schulgemeinschaften gerecht und setzen Sie die Präsenzpflicht für Abschlussklassen bis auf Weiteres aus.
Mit freundlichen Grüßen
die Schüler*innen der Klassenstufe 12 des ASG Dillingen

namentlich:
Ayleen Artis, Fabian Brenner, Cecile Broll, Romeo Contrino, Yasemin Dolmis, Henrik
Fisch, Marie-Claire Fries, Emily Gundel, Leonie Hauck, Niklas Holbach, Greta Huffer,
Lea Jost, Annika Keller, Skyla Keller, Matthias Lattwein, Adina Leinen, Hannah Mock,
Alexander Neumann, Ivie Ogbeide, Joline Petto, Jana Probst, Noah Quartz, Lina
Schnubel, Luisa Schwarz, Jennifer Selzer, Janina Szabo, Johannes Ufer, Kai Vettori,
Anastasia Warken, Rebecca Weiß, Sophie Wojtek
12 Schüler*innen, die nicht namentlich genannt werden möchten
mit Unterstützung ihrer Lehrer*innen:
Isabel Diesinger-Braun, Maria Herber, Tobias Junker, Jeannette Koch-Vogin, Karin
Leidinger, Gertrud Leutheuser, Mirjam Pfau, Ursula Reiland, Susanne Seiler, Miriam
Schmitt, Olaf Schmit

Geschrieben von: Robert Roth

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