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Tierversuche ade? – Saar-Wissenschafter setzen jetzt auf KI & Eier

today23. August 2023 97

Hintergrund
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Viele dürften bereits wissen, dass zahlreiche Tiere als Testsubjekte für Arzneimittel und Make-up-Produkte herangezogen werden. Allein im Jahr 2021 wurden für Zwecke der Arzneimittelforschung 68.440 Tiere in Tierversuchen eingesetzt oder getötet. Um die Notwendigkeit von Tierversuchen in der Arzneimittelforschung zu minimieren, haben sich Experten aus der Pharmazie und Informatik im Saarland zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Dabei setzen sie auf den Einsatz von Tierersatz und künstlicher Intelligenz.

Bisher blieb den Wissenschaftlern, die schnell und effizient neue Wirkstoffe entdecken wollen wenig Wahl, als Tiere für ihre Forschung einzusetzen. Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland und das CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit haben jedoch gemeinsam eine Lösung entwickelt, die Tierversuche weitgehend ersetzen könnte.

Jonas Baumann, der wissenschaftliche Leiter der Zebrafisch-Testung am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland, erklärt, dass die Eier und Larven von Zebrafischen ideal als Testsubjekte in der Wirkstoffforschung geeignet sind. Aufgrund der 70%igen genetischen Übereinstimmung mit menschlichen Genen stellen Zebrafische ein vielversprechendes Modell für Tierversatzversuche dar. Zwar werden Tierversuche nicht gänzlich eliminiert, jedoch werden die Wirkstoffe in den ersten Phasen an den Zebrafisch-Eiern getestet und erst im Anschluss an Mäusen und Ratten. Dadurch verringert sich die Wahrscheinlichkeit von Todesfällen bei den Tieren während der Versuche, und die Gesamtzahl der getesteten Tiere wird reduziert.

Künstliche Intelligenz kommt zum Einsatz

Da die befruchteten Eier innerhalb von 24 bis 48 Stunden zu Larven heranreifen, ist es notwendig, den Test in dieser kurzen Zeitspanne durchzuführen. Hierbei spielt künstliche Intelligenz eine entscheidende Rolle. Die KI wird für die visuelle Überwachung geschult, um zu erkennen, ob die Entwicklung zu den Larven in der erwarteten Weise verläuft und ob die Wirkstoffe wirksam sein könnten. Wenn die KI erkennt, dass ein Wirkstoff nicht erfolgreich ist, kann der Versuch frühzeitig abgebrochen werden. Nur Wirkstoffe mit Potenzial werden dann an realen Tieren weitergetestet.

Diese Methode soll langfristig dazu beitragen, eine beträchtliche Anzahl von Tierversuchen zu reduzieren und zu vermeiden.

Geschrieben von: Melina Schumitz

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