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Saarbrücker Tafel zieht Reißleine: 200 Personen auf Warteliste

today21. August 2023 2072

Hintergrund
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Die Nutzung von Tafeln als Unterstützung nimmt stetig zu, und auch im Saarland sind die Tafeln stark überfordert. Der Ansturm ist immens – so groß, dass die Saarbrücker Tafel einen vorübergehenden Neuaufnahmestopp für Kunden verhängen muss. Bereits im letzten August sah sich die Tafel in Saarbrücken gezwungen, neue Antragsteller auf später zu vertrösten, und auch dieses Jahr ergibt sich eine vergleichbare Situation.

Der Aufnahmestopp ergibt sich aus der vollständigen Auslastung der personellen und räumlichen Ressourcen. Dieses Problem ist nicht nur auf das Saarland beschränkt, sondern erstreckt sich auf bundesweiter Ebene. Tatsächlich sieht sich etwa jede dritte Tafel in Deutschland dazu gezwungen, Neuanfragen vorerst abzulehnen. Die Saarbrücker Tafel spricht von einer ausgesprochenen Überbeanspruchung. Bereits jetzt stehen 200 Haushalte auf der Warteliste der gemeinnützigen Hilfsorganisation.

Mehr als 3.500 Menschen in etwa 800 Haushalten werden von etwa 130 freiwilligen Helfern der Tafel Saarbrücken täglich mit Lebensmitteln versorgt. Das bedeutet, dass ein einziger Helfer an einem Tag rund 27 Menschen betreut.

Wer kann überhaupt die Dienste der Tafel in Anspruch nehmen?

Berechtigt zur Nutzung der Tafel sind Personen, die entweder Sozialleistungen beziehen oder über ein sehr geringes Einkommen verfügen. Diese Betroffenen umfassen verschiedene Bevölkerungsgruppen, die in unterschiedlichen Lebenslagen stecken. Dazu gehören Familien mit mehreren Kindern, die aufgrund der Erziehung und Betreuung der Kinder zusätzlichen finanziellen Druck erfahren. Auch Alleinerziehende gehören dazu, die oft die doppelte Verantwortung für Haushalt und Kinder tragen. Ebenso nutzen Menschen die Tafel, obwohl sie täglich arbeiten. Ihr Gehalt reicht jedoch nicht aus, um sich selbst und ihre Familien ausreichend zu versorgen. Eine breite Palette von Menschen, von Rentnern bis zu jungen Menschen, besucht die Saarbrücker Tafel.

Uwe Bußmann, der nach 25 Jahren im Tafel-Vorstand in den Ruhestand getreten ist, betont, dass Politiker ihre Pflichten vernachlässigen würden. Er äußert, dass der Aufwand im Laufe der Jahre erheblich gestiegen sei und daher auch mehr Personal benötigt werde. Es sei notwendig, sich stärker um die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger zu kümmern. Für ihn zeugt die Existenz von Tafeln von einem Versagen der Politik.

Geschrieben von: Melina Schumitz

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