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Weltbienentag 2021 – Interview mit Markus Lay

today20. Mai 2021 14

Hintergrund
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    Weltbienentag 2021 – Interview mit Markus Lay Jaqueline Riemenschneider

Herr Lay, warum genau sind denn die Bienen so wichtig für unser Ökosystem?

Honigbienen im speziellen, aber auch Bienen – also das heißt Wildbienen im Allgemeinen – sind natürlich sehr wichtig für unser Ökosystem, weil sie die Bestäubung gewährleisten. Das heißt Obstkulturen, auch viele Gemüsesorten, können ohne externe Bestäubung nicht wirklich Früchte ausbilden. Das gilt aber teilweise auch für Windbestäuber, wenn Sie den Raps beispielsweise nehmen, ein typischer Windbestäuber, da hat man herausgefunden, dass dieser Raps einen wesentlich höheren Ertrag hat, wenn er von Bienen beflogen wird.

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Jetzt ist es ja so, dass der Weltbienentag noch ein recht junger „Feiertag“ ist. Er besteht erst seit 2018 um genau zu sein. Können sie sich erklären, warum er erst vor so verhältnismäßig kurzer Zeit in die Liste der Feiertage aufgenommen wurde?

Nun, das wird sicherlich mit der Medienaufmerksamkeit zutun haben, gerade wenn man vom „Bienensterben“ spricht, welches in letzter Zeit immer wieder durch die Medien geht. Das ganze geht auf eine Initiative des slowenischen Imkerverbandes zurück. Die haben das 2017 beantragt und 2018 wurde es mit Unterstützung des Weltverbandes Apimondia – das ist der Weltverband der Imkerverbände – der UN vorgetragen und diese haben dann den 20. Mai zum Weltbienentag ernannt, um eben auch auf die prekäre Lage der Bienen aufmerksam zu machen.

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Wie steht denn eigentlich der Landesverband der saarländischen Imker zu der weitergehenden Industrialisierung und dazu, dass immer mehr Grünflächen dafür entfernt werden. Gibt es da die Möglichkeit neue Wiesen zu erschaffen?

Im Saarland haben wir vor allem das Problem, dass wen man Ersatzflächen sucht, sprich wenn irgendwo ein neues Gebäude gebaut wird und man sucht irgendwo eine Ersatzfläche auf der man eine Blumenwiese oder eine Streuobstwiese pflanzen können, im Saarland hat man dazu gar keinen Platz mehr. Das heißt, wenn eine Fläche im Saarland verschlossen wird, dann wird die andernorts in der Bundesrepublik als Ersatzfläche ausgerufen, dort wo eben Platz ist. Wir haben hier im Saarland aber auch das Glück, dass unsere Landwirtschaft, also wenn sie jetzt beispielsweise von der Industrialisierung der Landwirtschaft sprechen, relativ kleinteilig ist. Wir haben also nicht diese Monokulturen wie es in anderen Bundesländern der Fall ist – natürlich hier und da auch – aber wir haben an Feldrändern oft auch Blühstreifen, die die Situation für die Wildbienen und Honigbienen hier in der Region ein bisschen besser machen.

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Jetzt stellt man sich natürlich auch die Frage: Was kann ich als Privatperson tun, um das Bienensterben zu verhindern, oder um den Insekten etwas Gutes zu tun?

Das kommt drauf an! Also, „Bienensterben“ heißt nicht Honigbienen sterben, das muss man ganz klar sagen. Die Honigbienen stirbt so schnell nicht aus. Die Honigbiene hat es natürlich auch nicht einfach, also es ist jetzt nicht so, dass da alles „Friede, Freue, Eierkuchen“ ist. Auch die Honigbiene hat mit Pestiziden und Herbiziden zu kämpfen & deren Auswirkungen, und natürlich auch mit Lebensräumen und Angeboten an Nahrung. Aber die Biene hat den Imker oder die Imkerin, die sich um sie kümmert.

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Wer das nicht hat, das sind die Wildbienen. Da gibt es natürlich Naturschutzorganisationen, oder auch Imkerorganisationen, die sich darum kümmern, jedoch kann die nicht so kleinmaschig kontrolliert werden wie das bei den Honigbienen der Fall ist. Das heißt wenn man von Bienensterben spricht, sprechen wir vor allem von einem Wildbienensterben. Wenn sie fragen „Was kann man dagegen tun“, dann vor allen Dingen Lebensräume schaffen. Das heißt, für Sand- oder Erdbienen natürlich entsprechende Orte im Garten schaffen – Sandhügel oder Ähnliches. Oder eben Insektenhotels aufstellen oder hängen. Da ist es allerdings wichtig, dass sie nicht irgendwas aus dem Baumarkt kaufen, sondern sich weitesgehend informieren. Vielleicht am besten sogar selbst bauen, das ist gar nicht so schwer. Dazu finden sie auch Bauanleitungen auf von Naturschutzorganisationen im Internet. Lebensräume schaffen bedeutet aber auch, dass sie vielleicht statt einer großen Rasenfläche vielleicht auch eine Blühwiese mit Stauden- oder einjährigen Blühpflanzen anlegen.

Was wir natürliche auch mit Sorge betrachten, ist der Trend in letzte Zeit zu Schottergärten. Wohlgemerkt, Schottergärten, das ist abzugrenzen von Steingärten: Steingärten zerstören auch Lebensräume für andere Tiere. Schottergärten, das sind die, bei denen man aus angeblicher Einfachheit, alles mit Steinen und Schotter zu kleistert.

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Wir haben unter Anderem herausgefunden, dass man Hummelnester kaufen kann um diese auf dem Balkon anzubringen. Kann man das auch mit Bienennestern und ist so etwas vorteilhaft? Oder raten Sie von so etwas ab?

Das ist natürlich auch schwierig. Das wird vor allem in der Landwirtschaft betrieben. Aber es ist eigentlich nicht ratsam, da man da das Problem hat, Krankheiten zu verschleppen, welche sich weltweit ausbreiten. Es gibt teilweise durch diese Hummelindustrie – wenn man sie so nenne will – das Problem, dass in anderem Weltteile, wo beispielsweise die europäische Erdhummel, die dort normal gar nicht ansässig ist, die einheimischen Hummeln vertreibt.

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Und sich einfach einen Honigbienenkasten in den Garten zu stellen ist auch keine Lösung, man muss sich um diese nämlich auch kümmern. Aber wie schon erwähnt, die Honigbienen stirbt so schnell nicht aus.

Sie haben ja schon erwähnt, dass die Wild- und Honigbiene signifikante Unterschiede vorweisen, was das Bienensterben angeht. Aber was sind denn die allgemeinen Unterschiede zwischen diesen Bienenarten.

Unter den Wildbienen gibt über 550 Unterarten allein in Deutschland. Man muss dazu sagen, viele sind schon ausgestorben in den letzten Jahren. Einer der signifikantesten Unterschiede, ist, dass die Wildbienen nicht im Volk überleben, so wie das die Honigbiene macht. Das heißt Wildbienen sind meistens solitär lebende oder allein lebende Bienen.

Aber auch wenn man Hummeln, Wespen oder auch Hornissen anschaut, da überlebt immer nur die Königin vom Volk, nicht das gesamte Volk. Das bedeutet, wenn sie beispielsweise irgendwo ein Wespennest finden, dann wird dieses Wespennest nur 1 Jahr bezogen sein. Im nächsten Jahr wird das auch nicht neu bezogen. Das Volk stirbt im Spätherbst ab und die nachgezogenen Königinnen überwintern alleine und ziehen im Frühjahr ein neues Volk auf.

Bei solitär lebenden Bienen ist das ähnlich, diese haben oft auch gar keine Völker.

Wir haben gelesen, dass man die Möglichkeit hat sich für eine gewissen Zeitraum auch Bienenvölker zu mieten. Wie steht der LSI denn dazu? Ist so etwas eher von Vorteil, als ein Kauf von Bienenvölkern? Für uns als Laien klingt das eher nicht nach viel Insektenwohl.

Da ist halt die Frage: warum macht man so etwas? Es gibt ja mittlerweile die Bestäubungsimkerei, die ist bei uns jetzt aber nicht so stark verbreitet. Vor allen Dingen in Ländern mit größeren Monokulturen hat man das Problem, dass dort die Wildbienen fehlen, deshalb werden dort Imkerinnen und Imker angefragt Bienenstöcke dort hinzustellen um eben die Felder bestäuben zu lassen. Damit kann auch Geld verdient werden. Solange sich der Imker oder die Imkerin auch um die Völker kümmert ist das auch alles in Ordnung, das muss alles seine Richtigkeit haben. Vor allem ist wichtig, dass ein Gesundheitszeugnis für jeden Bienenstock mit dem gewandert wird besteht. So etwas muss gemacht werden, denn sonst werden auch hier unter Umständen Krankheiten verschleppt. Darum muss sich jeder kümmern, der seine Bienenvölker umstellt, das ist das Wichtigste. Es gibt mittlerweile auch Services – vor allem in Großstädten – dass man sich Bienenvölker auf das Firmendach oder in den Firmengarten stellen lassen kann um die Firma sogar zu bewerben. Das kann man auch so machen, dagegen haben wir als Landesverband im Prinzip Nichts, solange wie gesagt die Voraussetzungen stimmen, dass die Bienen gesund sind etc.

Wovor wir natürlich die Imker und Imkerinnen hierbei warnen ist, sich da leichtfertig auf irgendwelche Handel einzulassen, um damit eventuell ein „Greenwashing“ herbeizuführen. Es ist natürlich auch nicht Sinn der Sache, wenn wir auf einer Seite irgendwelche Konzerne haben, die ‚on mass‘ Insektenvernichtungsmittel herstellen, aber dann sagen „Ja gut, wir haben aber 3 Bienenvölker im Garten stehen!“ um sich in besseres Licht zu rücken. Das kann auch nicht Sinn der Sache sein.

Also kann man sagen, dass wenn man sich eingelesen hat und sich ausreichend informiert, man schon eher ein Bienenvolk mieten könnte, als es direkt zu kaufen.

Richtig. Man muss bei einer wandernden Imkerei dennoch dazusagen: Wenn man die Bienen ständig umstellt, dann ist das natürlich auch nicht Sinn der Sache, darauf sind Bienen von der Evolution her aus nicht ausgelegt, das stresst diese natürlich auch, aber erfahrene Imkerinnen und Imker wissen wie sie das machen und Vor allen Dingen ist das auch notwendig in den Regionen, in den Regionen in denen sie eben ein eingeschränktes Trachtangebot haben, weil die Bienen sich mit dem was sie in der aufgeräumten Landschaft – um es mal so zu sagen – finden, nicht mehr ernähren können. Damit kommen die nicht mehr über das Jahr.

Sie haben ja gerade erfahrene Imker und Imkerinnen erwähnt. Gibt es denn spezielle Qualifikationen die man erfüllen muss um Imker oder Imkerin zu werden, oder kann das jeder machen?

Jeder der sich damit auseinandersetzt und der sich dafür interessiert kann natürlich Imker oder Imkerin werden. Der Landesverband und auch die Kreisverbände, sowie im Endeffekt die Ortsverbände vor allen Dingen, setzen sich natürlich dafür ein, dass die Imker und Imkerinnen ausgebildet werden. Das heißt, man sollte auf jeden Fall einen Imkerkurs mitmachen um herauszufinden wie man sich um solch ein Tier kümmert.

Was natürlich auch Voraussetzung ist, ist sich beim Veterinäramt zu melden, dann bekommen Sie eine Tierhalteridentifikationsnummer – das ist wie wenn man Hühner im Garten hält – damit der Seuchenschutz gewährleiste ist. Das sind allerdings alles die Dinge, die man auch im Verein beigebracht bekommt. Vor allen Dingen, wenn sie in eine Verein gehen, bekommen sie auch in der Regel dort ein Bienenvolk gestellt und eben auch eine erfahrene Imkerin oder einen erfahrenen Imker, die sich als Patin oder eben als Paten mit einem zusammen um das erste Volk, das erste Jahr, die ersten zwei Jahre eventuell auch, gemeinsam kümmert – So dann eben learning by doing. Wir bieten sowohl theoretische Kurse an, die Praxisteile haben, als auch eben diese Imkerpatenschaften.

Auf ihrer Internetseite konnten wir nachlesen, dass sie zur Zeit eine Ausbildungsstelle zur Verfügung haben für Bienenweidenberater beziehungsweise Bienenweidenberaterinnen. Was genau macht denn solch eine Beraterin oder ein Berater?

Um das kurz klarzustellen, das ist keine Stellenausschreibung für festangestellte Personen, welche dann entsprechend agieren. Wir haben seit kurzem den Fachbereich Insektenweide/Bieneweide, geleitet von Dr. Martin Wörner, weil wir als Landesverband sagen: Auch für die Wildbienen ist eine entsprechende Tracht wichtig, also ein entsprechendes Nahrungsangebot. Die Bienenweideberater bzw -beraterinnen sollen ausgebildet werden um entsprechend zu wissen wo welche Blühpflanzen am besten anzupflanzen sind. Sie sollen dann als Multiplikatoren in den Vereinen, Kommunen, Firmen oder sogar bei Privatpersonendienen. Das heißt sie könne gerufen werden, wenn sich jemand dafür interessiert, welche Blühpflanzen man am besten in den Garten, auf das Firmendach oder die Verkehrsinsel setzt. Das ist vor allen Dingen positiv für Wildbienen – natürlich auch für Honigbienen, aber diese interessieren sich vor allem eher für Massentracht. Wenn hier oder da jetzt Blühangebote sind, fliegen Honigbienen dort zwar auch drauf, aber nicht so sehr wie beispielsweise wenn dort jetzt ein ganzes Rapsfeld oder eine Wiese mit Kirchbäumen oder Apfelbäumen steht.

Und wie lange dauert solch eine Ausbildung oder ein Kurs bis man dann letztendlich Weidenberaterin bzw. -berater ist?

Ausgelernt hat man da nie! Das ist ähnlich wie beim Bienensachverständiger – den bilden wir bei uns im Landesverband auch aus. Das sind Leute die sich mit Bienengesundheit auskennen und auseinandersetzen. Auch da hat man immer wieder Kurse die man belegen sollte um sich weiterzubilden. Das ist auch ganz wichtig, weil es immer wieder neue Perspektiven und neue Forschungsergebnisse gibt, die in solchen Sachen auch weiterhelfen. Ähnlich wird das auch bei den Beraterinnen und Beratern werden. Die Ausbildung an sich ist jetzt erst einmal auf ein Jahr ausgelegt, aber natürlich bleiben die Personen in der Regel in Kontakt mit dem Fachbereich und können auch an Weiterbildungen teilnehmen.

Gibt es denn abschließend noch etwas, was sie gerne den Lesern und Leserinnen mitgeben möchten?

Ja, ich würde gerne nochmal darauf Bezug nehmen, dass man, wenn man Bienen helfen möchte vor allem vor der eigene Haustür, im eigenen Garten helfen kann. Aber auch wenn man keinen Garten hat, sondern nur einen Balkon oder ein Fensterbrett, dann kann man dort auch sehr schön Blühpflanzen anlegen. Und wenn da auch nur eine Hummel oder eine Biene drauf fliegt, dann ist da schon geholfen.

Geschrieben von: Jaqueline Riemenschneider

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