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Waldzustand 2020: Saarländischer Wald im Klimastress

today27. November 2020 32

Hintergrund
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Saarbrücken. Das saarländische Umweltministerium hat den Waldzustandsbericht für 2020 veröffentlicht. Demnach haben die Jahre 2018, 2019 und 2020 mit extrem heißen und trockenen Sommermonaten, mit der einhergehenden Austrocknung der Böden, dem Wald im Saarland mächtig zugesetzt. Die Vitalität der Bäume wurde stark geschwächt, sie wurden anfälliger für Schaderreger.

Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020 machen deutlich: Unser Wald befindet sich im Klimastress. Wegen Borkenkäferbefall nach wie vor dramatisch ist die Entwicklung für die Fichte. Aber auch der Zustand der Leitbaumart Buche ist besorgniserregend.

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Bei Betrachtung der Schadstufenverteilung über alle Baumarten ist eine weitere Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr eingetreten. 41 % der Bäume (2019 waren es 39 %) haben deutliche Schäden, das heißt, vier von zehn Bäumen sind deutlich geschädigt.

„Ein behutsamer und bedachter Umgang mit den Wäldern sowie die Wiederbepflanzung mit angepassten Baumarten muss in dieser Ausnahmesituation unser Handeln bestimmen“, sagt Umweltminister Reinhold Jost bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes und der forstpolitischen Strategie.

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„Für den Staatswald haben wir uns mit dem ,Masterplan für den saarländischen Wald‘ dazu entschlossen, aus Vorsorgegesichtspunkten nur halb so viele der dickeren Bäume zu ernten, als nach den Regeln naturnaher Bewirtschaftung möglich wäre. So soll das Waldinnenklima stabilisiert werden“, erklärt der Minister.

Zusätzlich will die Landesregierung im Haushalt Vorsorge treffen, dass die Erlöseinbußen und der Mehraufwand für Schadensbeseitigung und Wiederbewaldung im Staatswald nicht mit Mehreinschlägen oder Personalabbau beim SaarForst Landesbetrieb kompensiert werden müssen. Hierfür sollen seitens des Landes in den nächsten beiden Jahren zusätzlich jeweils 5,5 Mio. Euro für das unverschuldete Defizit des SaarForst bereitgestellt werden. Jost: „Wir müssen dem Wald Luft zum Atmen geben.“

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Im Staatswald hat sich die durch Borkenkäferbefall entstandene Freifläche auf mittlerweile 460 Hektar erhöht. Auf diesen Fichten-Kalamitätsflächen, aber auch auf den Schadflächen von Buche, Douglasie oder Esche wurde seit letztem Jahr eine systematische Wiederbewaldungsplanung erstellt, die Flächen nach Schadensumfang und waldbaulicher Priorität beurteilt.

Wo immer möglich, hat in den naturnah bewirtschafteten Wäldern die natürliche Sukzession/Naturverjüngung den Vorrang. Nur wo nötig werden Ergänzungspflanzungen in Form von Klumpenpflanzungen mit standortheimischen oder standortgerechten Baumarten auf der Fläche eingebracht. „Als Ergebnis unserer Anstrengungen werden am Ende der laufenden Pflanzperiode, also spätestens Ende März 2021, allein im Staatswald rund 160 Hektar Schadfläche aktiv wiederbewaldet sein“, so Minister Jost.

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Bei den Wiederbewaldungsaktivitäten wolle man auch bewusst die Bevölkerung, Vereine und Verbände mitnehmen, so der Minister. Die Aktion Waldhilfe erfreute sich großer Beliebtheit, musste aber wegen Corona-bedingter Kontaktbeschränkungen umorganisiert werden. Eine Variation der Waldhilfeaktion war die Eichelhäher-Aktion des SaarForst. Hier konnten die Bürgerinnen und Bürger an dafür vorgesehenen Eichelsammelstellen in den SaarForst-Revieren die im Wald gesammelten Eicheln ablegen. Von dort aus wurden diese dann von Mitarbeitern des SaarForst an Stellen eingepflanzt, an denen bereits vor Wildverbiss schützende Hordengatter errichtet sind.

Jost: „Unsere Forststrategie wird ständig überprüft und an neue Situationen angepasst werden müssen. Wir werden für die Waldwirtschaft im Klimawandel auch eine neue fachwissenschaftliche Grundlage benötigen. Es geht darum, vielfältige, resiliente Wälder zu entwickeln, die mit den Veränderungen des Klimawandels eher zurechtkommen, sich anpassen oder neu organisieren können. Aus diesem Grund haben sich die Flächen-Bundesländer zusammengeschlossen, um im Rahmen einer auf fünf Jahre angelegten Studie einen Abgleich der vorhandenen waldbaulichen Daten vorzunehmen. Am Ende des Projektes sollen der Praxis Baumartenempfehlungen zur Verfügung stehen, die es ermöglichen werden, Wälder zu entwickeln, die mit den Veränderungen des Klimawandels besser  zurechtkommen.“

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Geschrieben von: Marius Erkel

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