Saarland – Drei Jahre nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 hat sich das Sicherheitsgefühl vieler Jüdinnen und Juden deutlich verändert. Auch im Saarland berichten Betroffene davon, ihre jüdische Identität oder ihre Verbindung zu Israel nicht mehr selbstverständlich öffentlich zu zeigen. Yoram Ehrlich von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Saar spricht von einer deutlich gewachsenen „Breite und Intensität der Unsicherheit“.
Die Polizeistatistik weist zwar einen Rückgang antisemitischer Straftaten aus: von 85 Fällen im Jahr 2023 über 78 im Jahr 2024 auf 51 Fälle 2025. Daraus lässt sich jedoch keine grundsätzliche Entspannung ableiten. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) dokumentierte für 2025 insgesamt 57 Vorfälle – darunter auch solche unterhalb der Strafbarkeit. Bei 63 Prozent spielte israelbezogener Antisemitismus eine Rolle.
Besonders alarmierend sind Vorfälle an Schulen und Hochschulen. RIAS registrierte im Saarland fünf Fälle an Schulen, bei denen teilweise jüdische Schüler direkt angefeindet wurden. Ehrlich kritisiert, dass jüdische Kinder für Entscheidungen der israelischen Regierung verantwortlich gemacht und zu Rechtfertigungen gedrängt würden. Auch bundesweit zeigen dokumentierte Angriffe, dass selbst Veranstaltungen gegen Antisemitismus zum Ziel von Gewalt werden können.
Antisemitismus zeigt sich dabei in unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Milieus. RIAS dokumentiert bundesweit Vorfälle mit islamischem oder islamistischem Hintergrund und verweist zugleich auf antisemitische Äußerungen im Umfeld von Demonstrationen. Auch aus Teilen der politischen Linken gab es wiederholt Äußerungen und Auftritte, die scharf kritisiert wurden. Entscheidend bleibt die Abgrenzung zwischen legitimer Kritik an der israelischen Regierung oder Solidarität mit Palästinensern einerseits und Antisemitismus, Gewaltverherrlichung oder der Leugnung des israelischen Existenzrechts andererseits.
Wie konkret die Sicherheitslage im Saarland geworden ist, zeigt sich auch an zusätzlichen Schutzmaßnahmen. Nach Brandstiftung und wiederholten Diebstählen von Israel-Fahnen verschärfte die Union Stiftung in Saarbrücken ihre Sicherheitsvorkehrungen. Veranstalter gegen Antisemitismus setzen teilweise auf kurzfristig bekanntgegebene Veranstaltungsorte, Einlasskontrollen und private Sicherheitsdienste. Auch der Schutz jüdischer Einrichtungen wird fortlaufend angepasst; im Juni 2025 wurde etwa die Polizeipräsenz an der Saarbrücker Synagoge verstärkt.
Am heutigen 7. Oktober 2026 soll deshalb um 18 Uhr vor der Synagoge in der Lortzingstraße 8 in Saarbrücken ein öffentliches Zeichen gesetzt werden. Synagogengemeinde Saar, Deutsch-Israelische Gesellschaft Saar, Junges Forum und Saarländische Initiativen gegen Antisemitismus rufen zum Gedenken an die Opfer des Hamas-Massakers und zur Solidarität mit Israel auf.