Freisen – Einer der größten Rüstungsaufträge der vergangenen Jahre könnte für den Nordsaarland-Standort Freisen einen erheblichen Wachstumsschub bringen. Bei KNDS Deutschland Maintenance soll die Produktion des gepanzerten Patria 6×6 für die Bundeswehr aufgebaut werden.
Ende September trafen sich dazu die Spitzen von KNDS und des finnischen Herstellers Patria mit Ministerpräsidentin Anke Rehlinger in Freisen. Im Mittelpunkt stand vor allem die Frage, wie stark der Standort und saarländische Zulieferer von dem Milliardenprojekt profitieren können.
Hinter dem Projekt stehen zwei Beschaffungsverträge der Bundeswehr mit Patria aus dem Dezember 2025. Das Gesamtvolumen beträgt einschließlich Optionen mehr als zwei Milliarden Euro. Vorgesehen ist die Beschaffung von bis zu 876 gepanzerten Patria-6×6-Fahrzeugen in vier verschiedenen Varianten. Der feste Auftragswert liegt nach Angaben des Herstellers bereits bei mehr als einer Milliarde Euro.
Und ein Teil dieses Großauftrags landet direkt im Saarland. Patria und KNDS Deutschland Maintenance haben im August einen Rahmenvertrag über Montage und Endintegration der Fahrzeuge geschlossen. Zunächst kommen Serienfahrzeuge aus finnischer Produktion nach Freisen und werden dort mit den für die Bundeswehr vorgesehenen Rüstsätzen ausgestattet und endmontiert. Ab 2027 soll die Fertigung in Deutschland schrittweise ausgebaut werden. Die ersten vollständig in Deutschland produzierten Fahrzeuge sind ebenfalls für 2027 vorgesehen.
Für Freisen bedeutet das nicht nur zusätzliche Aufträge, sondern auch neue Arbeitsplätze. KNDS hatte bereits im Zusammenhang mit dem Ausbau des Standorts einen erheblichen Personalaufbau angekündigt. Die neue Serienfertigung verändert zugleich die Rolle des Werks: Neben Wartung, Reparatur und Modernisierung militärischer Fahrzeuge wird Freisen künftig auch Teil der Produktion neuer gepanzerter Fahrzeuge für die Bundeswehr.
Profitieren könnten davon außerdem weitere Unternehmen im Saarland. Beim Treffen mit Rehlinger ging es ausdrücklich darum, die lokale industrielle Kapazität auszubauen. Die Landesregierung will nach eigenen Angaben beim Aufbau eines saarländischen Zuliefernetzwerks unterstützen und dabei insbesondere Unternehmen aus der Automobilindustrie einbeziehen. Patria setzt bei seinem 6×6-Programm grundsätzlich auf Technologietransfer und lokale Fertigung in den beteiligten Ländern.
Foto: Saarland Staatskanzlei