Nancy. (Von unserem Reporter Thorsten Kremers) Trotz eines Demonstrationsverbots haben sich am Samstagnachmittag nach Polizeiangaben rund 4.000 Menschen zu einem Marsch durch die Innenstadt von Nancy versammelt. Der Zug setzte sich gegen 14 Uhr in Bewegung. Zwischen die Demonstranten geriet auch ein Hochzeitspaar, das gerade seine Trauung gefeiert hatte.
Viele Geschäfte haben ihre Schaufenster mit Holzplatten verbarrikadiert. Manche Händler öffnen ihre Sicherheitsrolltore nur kurz, um Kunden hinein- oder herauszulassen. Die Sorge vor erneuten Verwüstungen und Plünderungen ist groß.
Demonstranten kletterten auf ein Denkmal und hissten dort unter anderem eine Palästinaflagge. Aus der Menschenmenge waren Parolen gegen die Polizei sowie „Antifaschista“-Rufe zu hören.
Seit etwa 16 Uhr kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen. Nach Polizeiangaben bewegt sich eine rund 1.500 Personen starke Gruppe durch die Innenstadt. Aus deren Reihen werden Pflastersteine, Flaschen, herausgerissene Poller und weitere Gegenstände auf die Einsatzkräfte geworfen. Teilweise werden auch Absperrzäune als Schutz eingesetzt. Die Polizei geht mit einem Wasserwerfer und Tränengas gegen die Angreifer vor.
Im Einsatz sind auch Kräfte der auf die Bewältigung gewalttätiger Ausschreitungen spezialisierten Bereitschaftspolizei CRS. Ein Polizeihubschrauber unterstützt den Einsatz aus der Luft. Zusätzlich wird die Innenstadt mit Drohnen überwacht.
Bereits im Vorfeld hatten die Behörden das Sicherheitsaufgebot deutlich verstärkt. Laut „L’Est Républicain“ waren zunächst 220 Polizisten und Gendarmen vorgesehen – rund 35 Prozent mehr als beim Höchststand des Einsatzes am vergangenen Samstag. Weitere Kräfte sollten bei Bedarf bereitstehen.