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Feuerwehrkrise in Neunkirchen: Rücktrittsberichte, Brandbrief und Strafanzeige sorgen für offene Frage

Feuerwehr
Bild über Blaulichtreport Saarland

Neunkirchen – Bei der Freiwilligen Feuerwehr Neunkirchen gibt es offenbar einen tiefgreifenden internen Konflikt. Nach Informationen aus Feuerwehrkreisen sollen am Freitagabend der Löschbezirksführer der Innenstadt, Timo Beckhäuser, und sein Stellvertreter Kai Hegi ihre Führungsfunktionen mit sofortiger Wirkung niedergelegt und ihre Schlüssel abgegeben haben. Auch weitere Funktionsträger sollen Aufgaben abgegeben haben. Eine offizielle Bestätigung für Namen und Umfang der berichteten Rücktritte liegt bislang nicht vor. Auf eine Presseanfrage erklärte Feuerwehrsprecher Christopher Benkert lediglich, die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr Neunkirchen sei „zu jeder Zeit gewährleistet“ gewesen und weiterhin gewährleistet. Die Stadt führt Beckhäuser und Hegi bislang noch als Ansprechpartner des Löschbezirks Innenstadt.

Die Vorgänge treffen einen besonders stark beanspruchten Löschbezirk. Nach offiziellen Angaben der Stadt rückte die Innenstadtwehr allein 2024 zu 313 Einsätzen aus und rettete dabei 35 Menschen. Hegi wurde erst im Juli 2025 zum stellvertretenden Löschbezirksführer gewählt und im April 2026 offiziell ernannt. Beigeordneter Thomas Hans verwies damals selbst auf die „außergewöhnlich hohe Einsatzbelastung“ der Innenstadtwehr. Nach Angaben eines Informanten soll inzwischen eine kommissarische Führung organisiert worden sein. Genannt wird dabei unter anderem Christian McCann. Eine offizielle Bestätigung für diese Personalie liegt bislang nicht vor.

Brisant ist der Konflikt auch deshalb, weil unserer Redaktion Unterlagen vorliegen, nach denen Beschwerden über Vorgänge innerhalb der Feuerwehr bereits Monate zuvor Behörden beschäftigten. Dazu gehört der Auszug einer im Juni 2026 erstatteten Online-Strafanzeige. Darin behauptet der Anzeigeerstatter unter anderem, Anwesenheitslisten aus den Jahren 2024 und 2025 seien unzutreffend geführt worden, um Zahlungen von jeweils 25 Euro pro eingetragenem Feuerwehrangehörigen zugunsten der Feuerwehrkasse zu erhalten. Ob Listen tatsächlich manipuliert oder dadurch unberechtigte Zahlungen ausgelöst wurden, ist bislang nicht unabhängig belegt. Eine Strafanzeige dokumentiert zunächst lediglich einen gegenüber der Polizei erhobenen Verdacht und ist kein Nachweis für eine Straftat.

Der Anzeigeerstatter erhebt darüber hinaus Vorwürfe gegen Beigeordneten Thomas Hans und Wehrführer Christian Milz. Nach seiner Darstellung habe er bei einem Gespräch im Rathaus am 17. April 2026 auf die behaupteten Unregelmäßigkeiten hingewiesen. Er wirft Verantwortlichen vor, anschließend nicht ausreichend gehandelt zu haben, und bewertet dies selbst als möglichen Fall einer Strafvereitelung im Amt. Auch hierbei handelt es sich ausdrücklich um die Darstellung und rechtliche Einschätzung des Anzeigeerstatters. Eine entsprechende Feststellung durch Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gericht liegt nicht vor. Zu den konkreten Vorwürfen liegen unserer Redaktion bislang auch keine Stellungnahmen der Betroffenen vor. Nach den zugespielten Unterlagen war zudem die Kommunalaufsicht mit einer Beschwerde befasst. Welche Prüfungen oder Maßnahmen daraus folgten, ist bislang offen.

Wie tief die Gräben innerhalb der Feuerwehr offenbar reichen, zeigt ein weiteres Blaulichtreport Saarland zugespieltes, fünfseitiges Schreiben, das mit „Die Kolleginnen und Kollegen der Feuer- und Lehrrettungswache Neunkirchen“ unterzeichnet ist. Darin wird Amtsleiter Florian Bartsch ausdrücklich verteidigt: Er habe notwendige Veränderungen angestoßen und Strukturen professionalisiert. Gleichzeitig enthält das Schreiben erhebliche Vorwürfe im Zusammenhang mit der Zusammenarbeit zwischen hauptamtlichen Kräften und Teilen der Freiwilligen Feuerwehr. Erwähnt werden unter anderem beschädigtes Eigentum, mögliche körperliche Übergriffe und Manipulationen an Einsatzfahrzeugen. Die vorliegende Fassung nennt hierzu jedoch keine konkret verantwortlichen Personen; auch diese Behauptungen sind bislang nicht unabhängig bestätigt. Unklar ist zudem, wie viele Beschäftigte hinter dem Schreiben stehen.

Damit stehen zwei sehr unterschiedliche Darstellungen gegenüber: Aus Teilen des Ehrenamtes wird nach Angaben eines Informanten ein massiver Vertrauensverlust gegenüber der Amtsleitung beklagt, während Verfasser des Schreibens aus der Feuer- und Lehrrettungswache gerade Bartsch den Rücken stärken und Probleme auf anderer Ebene sehen. Fest steht, dass Bartsch das Amt für Umwelt-, Brandschutz und Rettungswesen erst seit August 2025 leitet. Die Stadt hatte noch im Februar 2026 bei der Zusammenlegung der Löschbezirke Furpach und Ludwigstal betont, mit organisatorischen Veränderungen die Einsatzbereitschaft langfristig stärken zu wollen.

Für Oberbürgermeister Jörg Aumann und den für die Feuerwehr zuständigen Beigeordneten Thomas Hans ergeben sich damit vor allem offene Fragen: Welche Hinweise waren der Stadt wann bekannt? Welche Vorwürfe wurden intern geprüft? Welche Maßnahmen wurden gegebenenfalls getroffen? Und was genau ist am Freitagabend im Löschbezirk Innenstadt geschehen? Ein persönliches oder rechtliches Fehlverhalten von Aumann, Hans oder anderen Verantwortlichen ist durch die bislang vorliegenden Informationen nicht belegt. Ebenso gibt es derzeit keinen belastbaren Hinweis darauf, dass die Sicherheit der Bevölkerung konkret beeinträchtigt war. Die Versicherung, die Feuerwehr sei jederzeit einsatzbereit gewesen, beantwortet allerdings die offenen Fragen zu den berichteten Rücktritten und zum internen Führungskonflikt nicht.

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