St. Ingbert – (Von unserem Reporter Thorsten Kremers) Ein Name auf einem Stolperstein – doch wer war dieser Mensch eigentlich? Schülerinnen und Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums wollen genau diese Geschichten wieder sichtbar machen. In ihrer AG „Zweitzeugen“ haben sie die Schicksale früherer jüdischer Familien aus St. Ingbert recherchiert und daraus einen digitalen Erinnerungsweg entwickelt.
Der etwa einstündige Rundgang führt durch die St. Ingberter Innenstadt zu ausgewählten Stolpersteinen. Über die kostenlose App Actionbound werden dort Hörbeiträge, persönliche Geschichten und Quizfragen abgerufen. Das Smartphone wird so zum digitalen Stadtführer durch ein fast verschwundenes Kapitel der Stadtgeschichte.
Wie aktuell das Thema ist, zeigen Zahlen der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS): 8.725 antisemitische Vorfälle wurden 2025 bundesweit dokumentiert – rund 24 pro Tag. Gegenüber 2022 hat sich die Zahl mehr als verdreifacht. Bei rund 68 Prozent der registrierten Fälle stellte RIAS einen Bezug zu Israel fest.
Auch das Saarland ist betroffen. RIAS Saarland registrierte im vergangenen Jahr 57 antisemitische Vorfälle, bei 63 Prozent spielte israelbezogener Antisemitismus eine Rolle. Mehr als die Hälfte ereignete sich im öffentlichen Raum. Die Zahlen bilden dabei nur die bekannt gewordenen Fälle ab.
Besonders alarmierend mit Blick auf das Schülerprojekt: Sieben Vorfälle wurden im Saarland in Bildungseinrichtungen dokumentiert, fünf davon an Schulen. Teilweise seien jüdische Schülerinnen und Schüler wiederholt direkt antisemitisch angefeindet worden. Das saarländische Bildungsministerium bewertet die bekannt gewordenen Fälle dagegen überwiegend als Einzelfälle und verweist auf Präventions- und Beratungsangebote.