Das Saarland steht vor einer Entwicklung, die das Land in den kommenden zwei Jahrzehnten erheblich verändern könnte. Eine aktuelle Untersuchung zur Bevölkerungsentwicklung sieht den Südwesten Deutschlands unter den Regionen, die besonders stark mit Überalterung und sinkenden Einwohnerzahlen zu kämpfen haben werden. Bis 2045 könnte die Bevölkerung im Saarland demnach um mehr als zehn Prozent zurückgehen.
Grundlage der Einschätzung ist der neue Demografie-Atlas des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und der Wüstenrot Stiftung. Untersucht wurden sämtliche 400 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands anhand von 26 verschiedenen Kriterien. Neben der Entwicklung der Einwohnerzahlen spielen dabei unter anderem Altersstruktur, soziale Lage und wirtschaftliche Perspektiven eine Rolle. Im bundesweiten Vergleich gehört das Saarland zu den besonders problematisch bewerteten Regionen.
Innerhalb des Landes zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede. Besonders schlecht schneidet der Landkreis Neunkirchen ab: Mit Rang 376 von 400 untersuchten Regionen landet er weit hinten. Zu den Faktoren, die sich dort negativ auf die Bewertung auswirken, gehören eine vergleichsweise hohe Kinderarmut und eine geringe Zahl an Vereinen gemessen an der Bevölkerung.
Deutlich besser fällt die Bewertung für den Saarpfalz-Kreis und den Landkreis St. Wendel aus. Beide erreichen Rang 260. Zwar müssen auch diese Regionen langfristig mit weniger Einwohnern rechnen, bei einigen wirtschaftlichen und sozialen Kennzahlen stehen sie jedoch günstiger da. Unter anderem werden eine niedrigere Kinderarmut und eine geringere Jugendarbeitslosigkeit positiv bewertet. Saarlouis, Merzig-Wadern und der Regionalverband Saarbrücken bewegen sich mit jeweils unterschiedlichen Stärken und Schwächen zwischen diesen Ergebnissen.
Das grundsätzliche Problem betrifft jedoch das gesamte Saarland: Es kommen zu wenige junge Menschen nach, während gleichzeitig der Anteil älterer Einwohner wächst. Hinzu kommt nach Einschätzung der Untersuchung eine vergleichsweise geringe Zuwanderung. Setzt sich diese Entwicklung fort, dürfte sie nicht nur die Einwohnerzahl verändern. Auch Arbeitsmarkt, soziale Sicherungssysteme, kommunale Infrastruktur und die Frage, wie viele Fachkräfte künftig zur Verfügung stehen, gewinnen dadurch an Bedeutung.